Categories: Blog
Author
Andrea Zauske
Share
Categories: Blog

Author

Andrea Zauske

Share

Hoch über dem schroffen Bodetal, wo die Felsen aus dem dichten Buchenwald herausbrechen und der Wind Geschichten aus Jahrtausenden zu tragen scheint, liegen zwei der geheimnisvollsten Orte im gesamten Harz: der Hexentanzplatz und die Roßtrappe. Wer in Thale zu Gast ist, steht buchstäblich an ihrem Fuß – und ist damit so nah an diesen sagenumwobenen Plateaus wie kaum jemand sonst.


Geschichte & Ursprung: Mehr als nur eine Hexenlegende

Wer den Namen „Hexentanzplatz“ hört, denkt zunächst an nächtliche Spektakel, Kostüme und Brockenbier. Doch hinter dem griffigen Namen steckt eine weit ältere Geschichte. Archäologische Befunde belegen, dass das Plateau bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit genutzt wurde – als Kultort germanischer Stämme, als Fliehburg und als Versammlungsplatz.

Die Sachsen verehrten an diesem exponierten Hochplateau ihre sogenannten Hagedisen – Wald- und Berggöttinnen, denen sie besonders in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai huldigten. Frühlingsrituale und Fruchtbarkeitsriten fanden hier statt, weit weg von den Blicken der Täler. Noch heute lässt sich auf dem Plateau der sogenannte Sachsenwall erahnen: eine rund 150 Meter lange Trockenmauer aus Granitsteinen, Überrest einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage.

Als die christlichen Franken das Gebiet eroberten und die alten Kulte verboten, bekam der Ort seinen bleibenden Namen: Die Feiernden galten nun als „Hexen“ – und der Tanzplatz der alten Götterverehrung wurde zur Kulisse des Bösen umgedeutet. Einer Überlieferung zufolge wurden fränkische Wachposten von als Hexen verkleideten Sachsen auf Besen verjagt, die ihren Kult heimlich weiterführen wollten.


Die Sagen – Brunhilde, Bodo und die Walpurgisnacht

Was wäre der Hexentanzplatz ohne seine Geschichten? Die mündlich überlieferten Sagen dieser Landschaft sind so lebendig und dramatisch, dass sie Generationen von Dichtern und Künstlern beflügelt haben – allen voran Johann Wolfgang von Goethe, der sich für die Walpurgisnacht-Szenen in seinem „Faust“ von einer Harzreise inspirieren ließ.

Die Sage von Brunhilde und Bodo

Die schöne Königstochter Brunhilde wird vom furchterregenden Riesen Bodo kreuz und quer durch Thüringen und den Harz gejagt. Am Rand des Hexentanzplatzes, hoch über dem tosenden Bodetal, hat er sie fast eingeholt. Die Schlucht vor ihr scheint unüberwindbar – doch in der Not ruft sie die Geister ihrer Väter an und treibt ihr Pferd zum gewaltigen Sprung. Das Ross landet sicher auf dem gegenüberliegenden Granitfelsen und schlägt seinen Huf so tief in das Gestein, dass die Funken stieben. Dieser Abdruck ist noch heute zu sehen – und heißt seitdem: die Roßtrappe.

Bodo gelingt der Sprung nicht. Er stürzt in den Fluss und muss dort, verwandelt in einen schwarzen Hund, für alle Ewigkeit die bei dem Sprung verlorene Krone der Königstochter bewachen.

Watelinde, die Hexenmutter

Eine zweite, ältere Sage erzählt von Watelinde der Hexenmutter, die auf dem Plateau des Hexentanzplatzes hauste, fromme Jungfrauen verführte und die Hexenversammlungen anführte. Als das Christentum Einzug in den Harz hielt, fand Watelinde ein spektakuläres Ende: Ein gewaltiger Sturm fegte sie vom Felsen, und sie erstarrte selbst zu Stein. Der so entstandene Felsvorsprung trägt noch heute den Namen „Hexengroßmutter“.

Diese Geschichten sind nicht nur Unterhaltung – sie sind Spiegel einer Zeit, in der Menschen die wilde, kaum zähmbare Natur des Harzes in Bilder fassten. Wer das Bodetal einmal im Herbstnebel gesehen hat, versteht sofort, warum hier keine nüchternen Erklärungen entstanden, sondern Sagen.


Hexentanzplatz: Was dich oben erwartet

Der Hexentanzplatz ist heute weit mehr als ein mythischer Fels – er ist ein vielseitiges Ausflugsziel für die ganze Familie, das nach einer aufwändigen Renovierung mit Gesamtkosten von 27 Millionen Euro seit 2024 in neuem Glanz erstrahlt.

Das Hexendorf

2024 eröffnet, zieht das neue Hexendorf sofort den Blick auf sich: Ein windschiefer Turm und ein Haus, das aussieht, als hätte es eine Axt gespalten, bilden das Eingangstor zu einer Reihe bunter, schiefer Häuschen. Hier bieten 17 Händler lokale Spezialitäten, Kunsthandwerk und originelle Mitbringsel an – die perfekte Kulisse für Fotos und ein kleines Stöbern zwischen den Sagen.

Die Walpurgishalle

Im Museum der Walpurgishalle, errichtet auf Anregung des Malers Hermann Hendrich, erwachen die Sagen des Harzes und Szenen aus Goethes Faust in großformatigen Wandgemälden zum Leben. Besonders sehenswert: ein altgermanischer Opferstein mit Runen, der an die vorchristlichen Fruchtbarkeitsriten auf diesem Plateau erinnert.

Harzer Bergtheater

Das Harzer Bergtheater Thale gehört zu den ältesten Naturtheatern Deutschlands. Gegründet 1903, bietet es heute 1.900 Plätze unter freiem Himmel. Von Mai bis September finden hier über 150 Veranstaltungen statt – Theateraufführungen, Konzerte und besondere Abendveranstaltungen. Das Amphitheater-Ambiente ist einzigartig.

Tierpark Hexentanzplatz

Inmitten eines alten Buchen- und Eichenwaldes zeigt der Tierpark die „Big Five des Harzes“: Luchs, Rothirsch, Wildkatze, Waschbär und Auerhuhn. Hinzu kommen Bussarde, Wanderfalken und verschiedene Eulenarten – für Kinder ein echtes Highlight.


Roßtrappe: Der stille Gegenpol

Während der Hexentanzplatz Besuchermassen anzieht, hat die Roßtrappe einen ganz anderen Charakter bewahrt. Das 403 Meter hohe Granitplateau auf der gegenüberliegenden Seite des Bodetals empfängt seine Gäste stiller, wilder, ursprünglicher.

Der Zugang ist kostenfrei, für den Aufstieg kann der Sessellift genutzt werden – oder man wählt den Wanderweg durch dicht bewachsene Berghänge. Oben angekommen erwartet einen das Herzstück der Sage: der mächtige Hufabdruck im Stein, der tatsächlich zu sehen ist und bis heute Staunen hervorruft.

Die Aussichtsplattform bietet einen spektakulären Blick hinab ins Bodetal und hinüber zum Hexentanzplatz – und man begreift auf Anhieb, warum dieser Sprung zur Legende wurde. Auf der Roßtrappe beginnt zudem eine 2 km lange Downhill-Strecke mit 250 Höhenmetern Gefälle für Mountainbike-Fans.


Das Bodetal – der Grand Canyon des Harzes

Zwischen Hexentanzplatz und Roßtrappe liegt das, was beide Orte erst zu dem macht, was sie sind: das Bodetal. Zehn Kilometer lang, bis zu 280 Meter tief, umrahmt von senkrechten Felswänden und dichtem altem Wald – es ist nicht übertrieben, vom „Grand Canyon des Harzes“ zu sprechen.

Das gesamte Bodetal ist Naturschutzgebiet und beherbergt eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Wanderwege führen durch die Schlucht, entlang der rauschenden Bode, vorbei an kleinen Wasserfällen und immer wieder unter schwindelerregend aufragenden Felsformationen hindurch. Besonders schön: die Strecke vom Ortsausgang Thale bis zum Gasthaus Waldkater – ein Klassiker unter den Bodetal-Wanderungen.


Wandern & Abenteuer: So erkundest du beide Gipfel

Die große Stärke von Thale als Standort liegt darin, dass Hexentanzplatz und Roßtrappe für jeden erreichbar sind – ob sportlicher Wanderer, gemütlicher Spaziergänger oder Familie mit Kindern.

Per Seilbahn auf den Hexentanzplatz

Die Bodetal-Seilbahn startet direkt in Thale und schwebt täglich über die steilen Felsen hinauf zum Plateau auf 454 Metern. Der Blick aus der Kabine auf das Naturschutzgebiet und die Felsen ist schon für sich ein Erlebnis. Wer sportlicher ist, bewältigt den Aufstieg zu Fuß – rund 60 Minuten, je nach gewähltem Weg.

Harzer Hexen-Stieg

Der Harzer Hexen-Stieg ist einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands und führt direkt durch Thale. Er verbindet Osterode am Harz über 100 km mit Quedlinburg und passiert dabei den Hexentanzplatz. Wer einzelne Etappen wandert, erlebt das Bodetal von seiner schönsten Seite.

Der Mythenweg

Thale hat einen eigenen Mythenweg geschaffen: Auf rund 4 km sind elf Skulpturen verschiedener Künstler aufgestellt, die Figuren der germanischen Mythologie darstellen – Wotans achtbeiniges Pferd Sleipnir, die Midgardschlange und andere. Der Weg endet am historischen Kloster Wendhusen.

Kletterwald & Naturklettern

Der Kletterwald Thale bietet acht Parcours mit über 100 Elementen für alle Altersgruppen. Wer lieber an echten Naturfelsen klettert, findet im nahe gelegenen Steinbachtal exzellente Möglichkeiten.


Walpurgisnacht: Das spektakulärste Fest im Harz

Einmal im Jahr verwandelt sich Thale in das Epizentrum des gesamten Harz-Mythos: Am 30. April, in der Nacht zum 1. Mai, feiert der Hexentanzplatz seine Walpurgisnacht. Was einst als germanisches Frühlingsfest begann, wurde von Goethe im „Faust“ für die Ewigkeit verewigt – und lebt heute als eines der größten Volksfeste Norddeutschlands weiter.

Tausende Besucher strömen auf das Plateau, verkleidet als Hexen und Teufel, mit Fackeln und Trommeln. Die Feiern beginnen bereits tagsüber mit Marktständen, Musik und Theater und gipfeln nachts in einem gewaltigen Hexenfeuer.

Wer die Walpurgisnacht miterleben möchte, sollte die Unterkunft viele Monate im Voraus reservieren. Als Gast direkt am Fuß des Berges hat man den entscheidenden Vorteil: Man ist bereits vor Ort, kann früh aufbrechen – und muss nachts nicht noch stundenlang nach Hause fahren. Wer in unseren Ferienwohnungen in Thale übernachtet, hat das Spektakel buchstäblich vor der Tür.


Praktische Tipps für deinen Besuch

Anreise & Parken: Großparkplatz am Hexentanzplatz (mit Parkdeck und E-Ladeinfrastruktur seit 2022). Frühzeitig kommen – die Plätze füllen sich schnell.

Seilbahn & Sessellift: Die Bodetal-Seilbahn fährt täglich von Thale zum Hexentanzplatz (ca. 10 Min.). Der Sessellift bringt dich zur Roßtrappe. Beide sind kostenpflichtig.

Roßtrappe: Der Fels selbst ist kostenfrei zugänglich; lediglich Sessellift und Parkplatz kosten Eintritt.

Beste Reisezeit: Frühjahr für die Walpurgisnacht, Sommer für Wandern und Bergtheater, Herbst für die Laubfärbung im Bodetal.

Mit Kindern: Tierpark, Hexendorf und Kletterwald machen Thale zu einem hervorragenden Familienziel.

Literatur-Tipp: Goethes „Faust I“ (Walpurgisnacht-Szene) und Heinrich Heines „Harzreise“ lesen sich am schönsten, wenn man die Orte kennt.


Alle Angaben ohne Gewähr. Öffnungszeiten und Preise der einzelnen Einrichtungen bitte direkt beim Anbieter erfragen.